Mit 50+ auf eine Assistenzstelle bewerben? Meine ehrliche Antwort

Verena Schiffer
Verena Schiffer klärt auf: Jobs für ältere Frauen – Chancen als Executive Assistant mit 50+

Machen wir einen kleinen Test: Visualisieren Sie mal für sich eine „typische“ Assistenz der Geschäftsführung. Sehen Sie jetzt eine Frau zwischen Ende 20 und Mitte 40 vor Ihrem inneren Auge? Dann lesen Sie gern weiter, denn dieses Bild greift zu kurz.

Darum geht‘s in diesem Beitrag

  1. Warum das Alter im Assistenzbereich keine Hürde sein muss
  2. Welche Erfahrungen Unternehmen besonders schätzen
  3. Wie Sie Ihr Profil optimal präsentieren
  4. Tipps für die Bewerbung 50+
  5. Was Sie tun können, um mit 60 noch einmal neu zu starten

Wann ist „alt“ zu alt?

Als Personalvermittlerin für Executive Assistants & Office Professionals stelle ich immer fest, dass sowohl Geschäftsführer als auch Assistenzen in „Alters-Schubladen“ denken: Viele Führungskräfte und CEOs bevorzugen eher jüngere Bewerberinnen, und auf Bewerberseite weiß man das auch.

Diskriminierung im Bewerbungsprozess betrifft aber nicht nur eine Altersgruppe. Anspielungen auf eine „Familienplanung“ sind rechtlich unzulässig.

In der Praxis begegne ich jedoch Suchprofilen, die faktisch Alterskorridore vorsehen – teils, um Schwangerschaften indirekt auszuschließen. Ältere Bewerberinnen (45 – 60) werden häufig sehr früh aussortiert – mitunter, weil Suchprofile oder ATS-Konfigurationen zu eng gesetzt sind (z.B. Maximal-Berufserfahrung, zu enge Keyword-Logik bei Tools/Aufgaben, automatische Ablehnung bei längeren Beschäftigungslücken).

Solche Regeln können erfahrene Assistenzen mit starken Profilen treffen und sie frühzeitig herausfiltern. Das verunsichert viele; einige wagen deshalb keinen Wechsel. In meinen Gesprächen höre ich Sätze wie: „Mit 55 nimmt mich doch keiner mehr“ oder „Habe ich in meinem Alter überhaupt noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt?“ – obwohl es sehr wohl Jobs für ältere Frauen gibt, wenn Erfahrung, Persönlichkeit und Gehaltsgefüge passen.

Genau das hat mir meine jüngste gelungene Vermittlung gezeigt:

Ich habe einer Executive Assistant von stolzen 61 Jahren zu einer neuen Position verholfen. Der Geschäftsführer sagte zu mir: „Ach, wissen Sie, Frau Schiffer, das Alter ist bloß eine Zahl auf Papier und sagt nichts aus. Was für mich wichtig ist, ist die passende fachliche Erfahrung, das richtige Mindset und der Team-Fit. Und all das bringt Ihre Kandidatin mit.“

Beeindruckt hat mich vor allem die Kandidatin selbst. Ihre innere Haltung war glasklar: „Für mich gibt es den richtigen Job.“ Selbst als eine Arbeitsvermittlerin der Bundesagentur für Arbeit sie warnte („In Ihrem Alter ist das schwierig…“), blieb sie bei ihrer Überzeugung und unterschrieb kurze Zeit später ihren neuen Arbeitsvertrag.

Das zeigt: Mindset und natürliches Selbstbewusstsein wirken.

Im besten Fall kommen beide Seiten mit der richtigen Einstellung zusammen.

Das bringt es auf den Punkt: Unternehmen suchen nicht nur Organisationstalente, sondern Persönlichkeiten mit Haltung, Gelassenheit und Souveränität.

Und exakt das bringen viele mit, die schon 25 oder 30 Jahre Berufserfahrung haben.

„Neuer Job mit 50 oder 60, klappt das?“

Ich möchte Ihnen Mut machen: Doch, auch mit 50+ können und sollten Sie sich auf offene Stellen als Assistenz bewerben. Das jeweilige Anforderungsprofil der Assistentin der Geschäftsführung sollten Sie jedoch genau kennen: Organisationstalent, Kommunikationsstärke, strategisches Mitdenken, Diskretion und Loyalität. Hinzu kommen heute digitale Kompetenz und die Fähigkeit, hybride Arbeitsformen souverän zu organisieren.

Ob Sie diese Fähigkeiten mit 30 oder mit 50+ mitbringen, spielt für viele Arbeitgeber eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass Sie im Bewerbungsprozess zeigen, dass Sie fachlich wie persönlich passen und dass die Rahmenbedingungen matchen.

Stärken, mit denen Sie punkten können

Assistenz ist nicht gleich Assistenz, Chef ist nicht gleich Chef. Gerade im Top-Management gibt es viele Führungskräfte, die Assistenzen schätzen, die Ruhe ausstrahlen, Prioritäten setzen und auch in hektischen Phasen den Überblick behalten. Ältere Bewerber punkten oft mit:

  • Gewachsener Resilienz und Souveränität
  • Erprobtem Chef-Fit & Schnittstellenkompetenz (Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Führungspersönlichkeiten/-stilen und Teams)
  • Gutem Gespür für Stimmungen und Unternehmensdynamiken
  • Adressatengerechter Kommunikation und professionellem Auftreten im Umgang mit verschiedenen Stakeholdern 
  • Vertraulichkeit & Strukturkompetenz (Prioritäten setzen, Abläufe standardisieren, Entscheidungen vorbereiten; digitale Arbeitsroutine inklusive)
  • Belastbaren Netzwerken

Alles Eigenschaften, die man nicht mitbringt, wenn man gerade frisch von der Uni kommt oder am Anfang der Berufskarriere steht. Genau hier können Sie sich klar positionieren.

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Ist die richtige Position aktuell nicht dabei? Dann freue ich mich auf Ihre Initiativbewerbung und melde mich, sobald eine passende Stelle verfügbar ist.

„Wie kann ich Altersdiskriminierung in der Bewerbung umgehen?“

Jede neue Herausforderung beginnt mit dem Bewerbungsprozess, egal ob mit 30, 50 oder 60. Zeigen Sie deshalb unbedingt in Anschreiben und Lebenslauf, dass Sie up to date sind. Das heißt:

  • Modernes CV-Layout mit Executive Summary und professioneller Mailadresse
  • Fortbildungen nennen (z.B. digitale Tools, Projektmanagement, Change-/Konfliktmanagement, Business English etc.)
  • Erfolge messbar benennen (z. B. „Einführung eines digitalen Ablagesystems, das Suchzeiten um 30 % verkürzt hat“)
  • Sichtbarkeit auf Business-Netzwerken wie LinkedIn (Profil, Empfehlungen, relevante Beiträge)
  • Künstliche Intelligenz (KI) als Arbeitserleichterung verstehen (z. B. ChatGPT für Recherche/Entwürfe), nicht als Hürde

Eine Bewerbung, die zeigt, dass Sie fachlich aktuell und technisch versiert sind, nimmt Arbeitgebern den größten Vorbehalt gegenüber älteren Kandidaten und gibt Ihnen mehr Selbstvertrauen.

„Soll ich mein Alter lieber verschweigen?“

Ich kann diesen Gedanken verstehen, aber machen Sie das auf keinen Fall. In meiner Vermittlungspraxis bleibe ich stets objektiv und fair und schaue, dass ich die Assistenz vermittle, die am besten passt; nicht die mit dem vermeintlich richtigen Alter. Wenn nötig, trete ich hierzu auch in Diskussion mit meinen Auftraggebern. Dementsprechend habe ich schon öfter Positionen für 50+ Kandidaten vermittelt. Und die haben sich schnell unverzichtbar gemacht. Entscheidend ist, dass Sie nicht in die Defensive gehen („Trotz meines Alters…“), sondern Ihr Profil offensiv und selbstbewusst präsentieren.

Zeigen Sie, wie Sie mit Ihrer Erfahrung Probleme lösen, Führungskräfte entlasten und das Unternehmen voranbringen. Alter ist kein Makel, es ist Ihr Alleinstellungsmerkmal.

Erfahrung schlägt Vorurteil

Ja, Altersdiskriminierung in Bewerbungen ist real und Aufklärungsarbeit bleibt wichtig. Dennoch können gerade erfahrene Kandidaten im Assistenzbereich punkten, wenn sie das Anforderungsprofil kennen, ihre Stärken klar formulieren und zeigen, dass sie mit der Zeit gehen.

Bewerben mit 50+ oder neuer Job mit 60?

Ich sage: Auf jeden Fall. Und wenn Sie Unterstützung dabei brauchen, bin ich gern für Sie da.

Hallo, ich bin Verena Schiffer!

Als Personalberaterin bin ich auf die Vermittlung von hochqualifizierten Assistenzen und Office Professionals für Führungskräfte spezialisiert. Mein Ziel: passgenaue Personalberatung und -vermittlung, und zwar in meiner Heimat München genauso wie in Düsseldorf oder Berlin.

Denn ich bin überzeugt: Der größte Erfolg entsteht, wenn Führungskraft und Assistenz ein Team bilden, das sich optimal ergänzt und fachlich wie menschlich harmoniert.

Verena Schiffer erklärt, warum Referenzen in der Bewerbung mehr über Leistung und Vertrauen aussagen als Arbeitszeugnisse.

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