Entschlüsseln Sie Arbeitszeugnis-Codes mit der Tabelle zum Download [Blog-Serie 1/3]

Verena Schiffer
Verena Schiffer erklärt, was Ihr Arbeitszeugnis über Sie verrät und wie Sie Arbeitszeugnis-Codes richtig entschlüsseln

Stehen Sie vor einem Jobwechsel und machen sich Gedanken über Ihre Beurteilung? Zu Recht, denn die Formulierungen in einem Arbeitszeugnis bedeuten oft etwas anderes, als Sie beim Lesen denken. Ich sage Ihnen, worauf Sie achten müssen, und entschlüssele für Sie die Arbeitszeugnis-Codes in der Tabelle zum Download.

Darum geht‘s in diesem Beitrag

  1. Warum Arbeitszeugnisse codiert sind
  2. Die Bedeutung kleiner Wörter wie „stets“
  3. Typische Stolperfallen und ihre Wirkung
  4. Die Rolle der Abschlussklausel
  5. Warum auch Arbeitgeber Fehler machen
  6. Wie Sie Ihr Zeugnis prüfen und ggf. korrigieren lassen
  7. Tabelle mit den klassischen Codes aus Arbeitszeugnissen

Was Ihr Arbeits­zeugnis über Sie verrät

Als Personalvermittlerin für Assistenzen gehört es für mich zum Arbeitsalltag, dass ich mir bei Bewerbungen auch die Arbeitszeugnisse richtig durchlese. Denn sie geben nicht nur Einblicke in Leistung und Verhalten, sondern dienen auch dazu, die Angaben im Lebenslauf auf Plausibilität zu prüfen: Stimmen Arbeitgeber, Zeiträume, Aufgaben?

So erklärte ich es auch einer motivierten Kandidatin, als ich sie bat, mir vor einer Vermittlung noch ihre Zeugnisse zuzusenden.

Ich habe dann nie wieder von ihr gehört.

Es ist natürlich nur eine Vermutung, aber: Vielleicht waren die Zeugnisse nicht vollständig oder enthielten kritische Formulierungen. Vielleicht passten sie auch nicht zum angegebenen Lebenslauf. Solche Dinge kommen vor und in solchen Fällen ist eine Vorstellung bei meinen Kunden nur mit Rücksprache oder Klärung möglich.

Arbeitszeugnisse – oft wichtiger als gedacht

Es gibt Unternehmen, die auf vollständige und lückenlose Zeugnisse bestehen oder nur Kandidatinnen mit durchgängig sehr guter Bewertung in Betracht ziehen. Andere wiederum verzichten ganz bewusst darauf und verlassen sich nur auf den persönlichen Eindruck oder holen Referenzen zur Entscheidungsabsicherung ein.

Vielleicht kannte sich die Kandidatin aus meinem Beispiel schon mit den Codes und Formulierungen im Arbeitszeugnis aus und wusste sie zu übersetzen. Falls nicht, wäre sie damit nicht allein: Die meisten Bewerber ahnen gar nicht, welche Bedeutungen sich hinter scheinbar harmlosen Formulierungen verstecken. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die Codes, die in Arbeitszeugnissen üblich sind.

Warum gibt es „Geheimcodes“ in Arbeitszeugnissen?

Weil so eine Beurteilung per Gesetz „wohlwollend“ formuliert sein muss, aber trotzdem ein realistisches Bild abgeben soll. Was dabei herauskommt: ein Arbeitszeugnis mit Geheimcodes und verklausulierten Formulierungen, die es erstmal richtig zu lesen gilt.

Ein klassisches Beispiel dafür ist das kleine Wort „stets“. Nur fünf Buchstaben, die aber einen Riesen-Unterschied machen.

Wenn Sie dieses Wort in Ihrer Beurteilung stehen haben, ist schon viel gewonnen. Denn „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ist im Arbeitszeugnis die beste Formulierung und entspricht der Note Eins.

Und wenn „stets“ fehlt? Dann klingt der Satz für Laien immer noch positiv, bedeutet aber in der Praxis in Verbindung mit „voll“ nur noch eine Drei. Und genau diese Feinheiten können über Ihre Chancen bei Bewerbungen entscheiden.

Arbeitszeugnisse als Filter im Auswahlprozess

Die codierte Sprache in Arbeitszeugnissen wirkt auf viele zunächst wenig transparent.

Doch sie erfüllt einen Zweck: Arbeitszeugnisse sollen eine differenzierte Rückmeldung geben und Personalern helfen, in kurzer Zeit Bewerbungen einzuschätzen.

Auch wenn die Formulierungen nicht immer objektiv vergleichbar sind, übernehmen sie im Bewerbungsprozess eine wichtige Filterfunktion. So lässt sich schnell erkennen, wer konstant gute Leistungen erbracht hat und wer nicht.

Das macht Arbeitszeugnisse und ihre Codes zu einem bedeutenden Dokument. Sie können Türen öffnen – oder schließen, wenn Formulierungen ungünstig sind.

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„Wir wünschen Ihnen alles Gute!“ – Wirklich?

Besonders unterschätzt wird die Schlussformel im Arbeitszeugnis. Sätze wie „Wir wünschen für die Zukunft alles Gute“ wirken freundlich, sind aber nur dann wirklich aussagekräftig, wenn auch Dank und Bedauern über das Ausscheiden enthalten sind.

Eine überzeugende Schlussformel enthält drei Elemente: Dank, Bedauern und gute Wünsche. Fehlt eins davon, kann das – je nach Gesamteindruck – als Hinweis auf eine eher distanzierte oder schwache Bewertung gelesen werden.

Achtung: Auch Unternehmen machen Fehler

Lassen sich die Formulierungen im Arbeitszeugnis nicht positiv übersetzen, muss nicht immer Absicht dahinterstecken. Denn nicht alle Arbeitgeber sind Experten in der Zeugnissprache und wissen, was sie da schreiben. Manche nutzen schwache oder doppeldeutige Formulierungen, ohne sich der Wirkung bewusst zu sein.

Statt Bestnote landet dann schnell eine mittelmäßige Bewertung im Zeugnis, aber ohne bösen Hintergedanken.

Als Personalberaterin sehe ich das regelmäßig, wenn ich Zeugnisse auf Ungenauigkeiten prüfe. Aber keine Sorge: Ein Arbeitszeugnis ist nicht in Stein gemeißelt.

Wenn das Zeugnis nicht passt: Ihre Möglichkeiten

Die gute Nachricht: Sie müssen ein fehlerhaftes oder missverständliches Arbeitszeugnis nicht hinnehmen. Nach § 109 Gewerbeordnung haben Sie Anspruch auf ein wohlwollendes und wahrheitsgemäßes Zeugnis. Das heißt: Kritik darf nicht verschleiert, aber Ihre Leistung auch nicht schlechter dargestellt werden, als sie war.

Wenn Ihnen Ihr Arbeitszeugnis fragwürdig vorkommt, gibt es verschiedene Wege.

Lesen Sie hier, was Sie in so einem Fall unternehmen können.

Noch besser als ein Arbeits­zeugnis: das Referenz­schreiben

Ein Arbeitszeugnis ist Pflicht, ein Referenz- oder Empfehlungsschreiben dagegen die Kür. Es ist persönlicher formuliert, geht konkreter auf Ihre Stärken ein und verzichtet auf die verklausulierte Sprache der Zeugnisse. Besonders im Assistenzbereich kann ein Referenzschreiben den entscheidenden Unterschied machen: Während das Arbeitszeugnis Codes und Formulierungen enthält, die unterschiedlich interpretiert werden, beschreibt eine Referenz klar und direkt, was Sie fachlich und menschlich wirklich auszeichnet.

Deshalb mein Tipp:
Wenn Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrem früheren Vorgesetzten haben, bitten Sie zusätzlich zum Arbeitszeugnis um ein Referenzschreiben. Das schafft Vertrauen und gibt Personalern einen authentischen Eindruck.

Kostenlos: Arbeitszeugnis-Codes entschlüsseln mit Tabelle

Damit Sie die Sprache im Arbeitszeugnis besser verstehen und deuten können, habe ich Ihnen eine Code-Tabelle zum Herunterladen erstellt. Sie fasst die wichtigsten Formulierungen zusammen – von Leistungsbeurteilungen über Sozialverhalten bis hin zur oft unterschätzten Schlussformel.

Mit dieser Tabelle können Sie Ihr eigenes Arbeitszeugnis Schritt für Schritt prüfen, Formulierungen übersetzen und sofort erkennen, ob Handlungsbedarf besteht.

Zusätzlich enthält der Download eine 10-Punkte-Checktliste und extra-Tipps speziell für Assistenzen.

Hallo, ich bin Verena Schiffer!

Als Personalberaterin bin ich auf die Vermittlung von hochqualifizierten Assistenzen und Office Professionals für Führungskräfte spezialisiert. Mein Ziel: passgenaue Personalberatung und -vermittlung, und zwar in meiner Heimat München genauso wie in Düsseldorf oder Berlin.

Denn ich bin überzeugt: Der größte Erfolg entsteht, wenn Führungskraft und Assistenz ein Team bilden, das sich optimal ergänzt und fachlich wie menschlich harmoniert.

Über Verena Schiffer

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